Was genau passiert eigentlich während der Meditation?


Was geschieht da, während ich meditiere?

Nach außen hin passiert bei der Meditation nichts. Es herrscht weitgehende Stille im Raum. Der Meditierende sitzt bewegungslos in der von ihm gewählten Meditationshaltung, allein oder in einer größeren Gruppe. Er hat ein Kissen oder ein Meditationsbänkchen unter sich.

Der Meditierende konzentriert sich zunächst auf seinen Atem. Alles, was an Gedanken, Erinnerungen, Bildern, alten Geschichten oder damit verbundenen Emotionen auftaucht, lässt der Meditierende vorbeiziehen. Er nimmt es wahr, beachtet es aber nicht weiter.

Das jedenfalls nimmt er sich vor.

In der Realität - und besonders zu Beginn des Meditierens - klappt das Nicht-Beachten einige Sekunden lang. Dann galoppieren Gedanken mit dir davon. Sie verstricken dich in Geschichten, Pläne oder längst Vergangenes – und schon ist es passiert. Du meditierst nicht. Du phantasierst.

Manches lohnt durchaus der intensiveren Betrachtung, um zu Erkenntnisgewinnen zu gelangen. Anderes drängt sich ungefragt in den Vordergrund, ohne dass es gewollt ist. Dann muss der Meditierende sich darauf konzentrieren, wieder zum Atem zu finden und die emotionelle Verstrickung zu lösen.

So geschieht im vermeintlichen Nichts der Meditation - alles. Die Frage ist nur, bei welcher Art der Meditation jemand seine Lieblingsform entdeckt.

Aktive bzw. dynamische sowie stille bzw. passive Meditationsformen sind heute zu finden. So unterschiedliche Meditationsformen wie die Achtsamkeitsmeditation, die "Mind Based Stress Reduction" (MBSR) nach Jon Kabat-Zinn, die Gehmeditation, die Einsichtsmeditation, die analytische Meditation, verschiedene dynamische Meditationsformen, das japanische Zazen, die Atemmeditation, die Energiemeditation oder andere Formen stehen zur Wahl.

Was passiert beim Meditieren?

In der vermeintlichen Bewegungslosigkeit der Meditationshaltung und beim Versuch des gedanklichen Innehaltens passiert eine ganze Menge. Ebenen des Geschehens sind im körperlichen wie im geistigen, seelischen und emotionalen Bereich zu finden.

Meditation bezieht Körper, Geist und Seele mit ein. An den Hirnströmen lässt sich ablesen, welches Stadium und welche Tiefe die Meditation erreicht.

Dank zahlreicher Forschungsvorhaben, die tibetisch-buddhistische Lamas und indische Yogis ermöglich haben, wissen die westlichen Forscher heute ziemlich genau, was Meditation bewirken kann.

Schauen wir uns einmal einzelne Ebenen an, auf denen bei der Meditation etwas passiert oder sich nach und nach verändert.

Meditation wirkt auf die Rückenmuskulatur

Der Meditationssitz ist eine Mischung aus entspannten und angespannten, bzw. aufgerichteten Körperhaltungen.

Insbesondere die Wirbelsäule soll gerade aufgerichtet sein. Der Oberkörper sackt nicht zusammen, sondern wird bewusst und konzentriert in aufrechter Position gehalten. Das Zwerchfell wird so nicht zusammengepresst. Bei kerzengerader Haltung atmet es sich leichter.

Der Unterkörper ruht in einer Haltung, die sich als möglichst schmerzfrei und längere Zeit aushaltbar erweist. Du bist so wunderbar geerdet. In dieser Haltung fällt das Einschlafen schwerer.

Die Beine werden so eingefaltet, dass sie die Körperhaltung stabilisieren. Damit die Durchblutung gewährleistet bleibt, werden Gehmeditation und Sitzmeditation oft abwechselnd geübt.

Schmerzen sind zu Beginn des Übens unvermeidlich. Sie stellen eine der größeren Herausforderungen des Meditierens für einen Anfänger dar. Eine zweite ist, nicht zusammenzusacken, sondern den Oberkörper aufrecht zu halten. Das stärkt die Rückenmuskulatur.

Da der Meditierende in der Regel ohne eine Rückenlehne meditiert, kann er so Rückenschmerzen vorbeugen. Andere Meditationshaltungen wie das Sitzen auf einem Stuhl oder das Liegen sind zwar möglich, aber nicht so förderlich. Das aufrechte Sitzen hat auch etwas mit innerer Aufrichtigkeit zu tun. Dazu weiter unten mehr.

Meditation verhilft zur Entspannung

Das Sitzen in der Meditationshaltung beginnt mit der Konzentration auf den Atem. Alles andere wird wahrgenommen und dann losgelassen.

Diese Übung sorgt für nachhaltige Entspannung. Beim Atmen wird auch Stress losgelassen. Gedanken, die belasten, fließen einfach vorbei. Sie werden nicht ignoriert, du reagierst auch nicht auf sie. Es geht darum, inneren Gleichmut zu erlangen.

Gleichmut hat jedoch nichts mit Gleichgültigkeit gemein. Egal ist einem Meditierenden nichts. Vielmehr betrachtet er alles, was seinen Geist durchquert oder was in seinem Körper passiert, mit entspannter Gelassenheit.

Wann immer die Aufmerksamkeit abwandert, wird sie auf den Atem zurückführt. Anfangs ist das harte Arbeit. Der Geist ist wie ein Radio, das sich unaufhörlich auf Sendung befindet. Das ständige Gelaber deines Geistes einfach vorbeifließen und sich nicht in einen Gedankengang verstricken zu lassen, erfordert deine volle Konzentration.

Irgendwann tritt ein Moment der Ruhe ein. Du bist entspannt und ganz im "Hier und Jetzt" anwesend. Im Idealfall ist der Geist ruhig. Der Körper meldet keine beachtenswerten Schmerzen. Der anfängliche Stressmodus verändert sich. Der Ruhemodus tritt ein.

In diesem Zustand möchtest du immer öfter verweilen. Meditation, die täglich geübt wird, klärt den Geist. Sie entspannt den Körper. Zudem werden Glückshormone aktiviert. Der Atem verlangsamt sich ebenso wie der Herzschlag. Der Blutdruck sinkt. Interessanterweise wird auch die Verdauung verbessert. Warum das so ist, ist nicht abschließend geklärt.

Meditation regt Reparaturprozesse im Körper an

Unser Körper benötigt Ruhephasen, um sich um Reparaturarbeiten und Regenerationsprozesse zu kümmern. Üblicherweise kommt dein Organismus nur während der Nacht dazu.

Regelmäßige Meditationssitzungen verschaffen dem Organismus ein zusätzliches Zeitfenster, um an Regenerations- und Reparaturprozessen zu arbeiten. Andere Prozesse, mit denen der Organismus tagsüber beschäftigt ist, werden während der Meditationssitzung langsam heruntergefahren.

Sie benötigen dann nicht mehr so viel Energie und Aufmerksamkeit vom schwer arbeitenden Organismus.

Forscher haben nachgewiesen, dass sich das Immunsystem beim Meditieren verbessern lässt. Nachweislich befinden sich mehr Abwehrzellen im Blut Meditierender. Außerdem scheinen Wunden oder Knochenbrüche schneller abzuheilen.

Inwieweit sich auch bereits entartete Zellen damit besser bekämpfen lassen, ist ein Forschungsthema, das noch weiterer Studien bedarf. Sicher ist aber, dass das Immunsystem sich regenerieren kann, während meditiert wird.

Auch das Gehirn profitiert vom Meditieren

Unser Gehirn ist die zentrale Kommandozentrale und die zentrale Steuerungseinheit in unserem Körper. Alle Impulse aus dem Körper laufen hier zusammen wie in einem Riesencomputer.

Das Gehirn sendet seinerseits Impulse an andere Stationen im Körper. Beim Meditieren werden bestimmte Hirnareale stärker durchblutet als andere. Eines dieser Areale ist der präfrontale Cortex.

Diesen bringen die Forscher mit der Entstehung von Glücksgefühlen, Freude, Selbstbeherrschung oder geistiger Klarheit in Verbindung. Der präfrontale Cortex beeinflusst auch deine mentalen Fähigkeiten.

Hirnregionen, die auf Stress reagierten, zeigen hingegen eine geminderte Aktivität. Je nach erreichtem Bewusstseinszustand zeigen auch die Hirnwellen entsprechende Aktivitäten.

Bei Meditierenden lassen sich ausgeprägtere Alpha-Wellen und reduziert auftretende Beta-Wellen nachweisen. Das deutet auf eine tiefe Entspannungssituation hin. Bei einem sehr ruhigen, gelassenen Geist können auch Delta- oder Theta-Wellen nachgewiesen werden - ein Zustand, in dem unser Gehirn üblicherweise nicht alzu oft ist.

Forscher haben spezifische Hirnmuster ausgemacht, die vor allem bei Meditierenden vorkommen. Diese weisen darauf hin, dass im Gehirn von regelmäßig meditierenden Menschen - für andere nicht erkennbar - eine ganze Menge passiert.

Selbst Depressionen lassen sich mit Meditation verbessern. Nicht für alle Menschen ist die Meditation gleichermaßen geeignet. Psychotische oder schizophrene Menschen können durch Meditation in schwere Krisen geraten.

Regelmäßige Meditation mindert Schmerzen

Meditation beeinflusst nachweislich die Schmerzrezeptoren positiv. Schritt für Schritt verabschieden sich Schmerzwahrnehmungen, die einem Meditierenden anfangs oft sehr zusetzen.

Nicht wenige Menschen haben deshalb das Meditieren aufgegeben. Doch es geht darum, eine machbare körperliche Haltung zu finden, um weitermachen zu können. Denn das Weitermachen ist lohnenswert. Chronische Schmerzen, die schon Jahre bestehen, können durch das Meditieren gelindert werden.

Nicht zufällig wurde die von John Kabat-Zinn entwickelte, nicht religiös gebundene Meditationsform MBSR (Mind Based Stress Reduction) in vielen amerikanischen Kliniken ins Behandlungs-Programm integriert.

Um Schmerzen zu lindern, sind neben dem Lotossitz auch der halbe Lotossitz, der Schneidersitz, der Kniesitz mit einem Meditationsbänkchen und andere Meditations-Positionen erlaubt. Wichtig ist nur, dass du die anfänglich eingenommene Meditationshaltung nicht veränderst.

Wahr ist aber auch, dass aller Anfang durch die uns ungewohnte Sitzhaltung sehr schmerzhaft sein kann - vor allem, wenn das Skelett bereits Defekte aufweist und wenn jemand Haltungsschäden oder muskuläre Verknotungen mitbringt. Doch mit zunehmender Übung verschwinden die Schmerzen aus dem Bewusstsein - und später auch aus dem Körper. Die Nerven werden beruhigt.

Innere Werte wie Aufrichtigkeit stärken

In der aufgerichteten Haltung steckt schon die persönliche Eigenschaft der Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit mit drin. Im Buddhismus, wo die Meditation ihren Ursprung hat, geht es auch immer um die Schulung des Geistes in Mitgefühl, Gebefreudigkeit oder Gleichmut.

Aufrichtigkeit bedeutet, eine aufrechte Haltung einzunehmen - auch im Inneren. Es bedeutet, ehrlich und offen zu sein. Die aufrechte Haltung ist eine würdevolle Haltung - eine, die sich ihrer selbst bewusst ist und achtsam durch die Welt geht. Sie zeigt Selbstrespekt an.

In der Meditation verbinden sich geistige, körperliche oder emotionelle Vorzüge mit gesundheitlichem Nutzen. Die Anfänge sind nicht immer einfach. Jeder Anfänger bekommt es mit Schmerzen, Langeweile, Termindruck und Ausreden, aber auch mit Glücksgefühlen und innerer Ruhe zu tun.

Die Kunst ist es, durch all das hindurchzugehen, es loszulassen und konsequent weiterzumachen. Nur dann kann es gelingen, die Hindernisse, die sich westlichen Menschen in den Weg stellen, zu überwinden. Jeden Tag ein Date mit sich selbst - oder mit Buddha - im Kalender einzutragen, bringt so viel Gewinn mit sich, wie kaum etwas anderes.

Fazit

In der Meditation passiert so vieles auf so vielen Ebenen, dass man es kaum in Kürze beschreiben kann.

Mittelfristig geht es ans Eingemachte. Neurosen, die sich in dir eingenistet haben, wollen bearbeitet und losgelassen werden. Alle Vorstellungen und Bilder, die du dir von dem gemacht hast, was cu für die Wahrheit hältst, müssen bewusst gemacht und losgelassen werden.

Es kann beim intensiven Meditieren zu orgiastischen Meditations-Erlebnissen kommen, aber auch zu spirituellen Krisen.

Daher wird angeraten, einen spirituellen Meister oder einen buddhistischen Lehrer an der Seite zu haben, der Hilfestellungen bietet und dich behutsam und verantwortungsbewusst durch alle Fährnisse leitet. In diesem Fall ist Meditation für die meisten Menschen etwas, wobei das meiste passiert, obwohl anscheinend gar nichts passiert.

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